Parkhaus & Pflanzenhaus

Überlingen

Jahr:2014

Das Entwurfsziel war es, ein Gebäude zu entwickeln, das zum einen durch sein Erscheinungsbild einen adäquaten Stadteingang für Überlingen definiert und zum anderen eine städtebauliche Figur zu finden die es schafft das geforderte Gebäudevolumen mit einem Höchstmaß an Sensibilität in die Umgebung zu integrieren. Zwei gestaltungsprägende Themen versuchen mit der Grundstücksform umzugehen. Zum einen sollen abgerundete Ecken die dreieckige Gebäudeform des Parkhauses räumlich entschärfen und die Verkehrsströme sanft am Gebäudekörper vorbei lenken. Hier war das Bild eines Kieselsteins in einem Flusslauf ideengebend. Das zweite Thema war die wellenförmige Fassadenform. Sie soll eine thematische Verbindung zum Bodensee schaffen. Durch ein gezieltes Spiel zwischen großen und kleinen Wellenradien entsteht ein spannendes und differenziertes Bild zwischen Licht und Schatten. Auch die Gliederung der großen Fassade wird durch dieses Thema ermöglicht.
Die Haupterschließung des Parkhauses erfolgt über die Westseite des Grundstückes. Somit ist die Einfahrt für die in die Stadt kommenden Besucher direkt erkennbar. Die nördlichen Bereiche des Grundstücks sollen begrünt werden. Bäume nördlich der Zufahrt schirmen den anfallenden Verkehr von der Wohnbebauung ab. Das im Bereich des Tunnelportals ansteigende Gelände wird durch eine Gabionenmauer terrassiert. Die auf der Ostseite gelegene Fahrradgarage befindet sich auf +399,0m ÜNN und wird durch eine Rampe im Außenbereich von der Bahnhofstraße erschlossen. Auch der Osteingang des Parkhauses befindet sich hier.
Um die Verkehrsflächen zu minimieren und somit eine optimale Ausnutzung des Gebäudes zu ermöglichen, wurde das Rampensystem gewählt. Hier entfallen zum einen die zusätzlichen Flächen für Auf- und Abfahrten, und zum anderen ermöglicht die schräg verlaufende Gebäudeform es die Ebene +3 auf ein Mindestmaß zu beschränken. Somit erscheint der Baukörper in seiner Höhenentwicklung deutlich harmloser.
Durch die in den Obergeschossen lediglich durch eine Textilfassade bespannte Außenhülle (hoher Perforationsgrad) kann hier auf eine mechanische Belüftung komplett verzichtet werden. Ausschließlich die Untergeschosse werden über einen innen liegenden Technikschacht mechanisch belüftet. Des weiteren wird durch die offene Fassade und einen Innenhof das Parkhaus optimal belichtet. Somit kann die künstliche Beleuchtung deutlich reduziert werden.
Die Untergeschosse werden konventionell in Betonbauweise ausgeführt. Das oberirdische Parkhaus ist in Stahlbauweise in Kombination mit Betonfiligrandecken konzipiert. Die Stahlbauweise ermöglicht große Spannweiten und somit einen in großen Teilen stützenfreien Raum, der ein komfortables Parken ermöglicht.
Das entwurfsgebende Thema der gewellten Fassade soll mit einer Textilfassade geplant. Dieses Material ermöglicht zum einen dem Baukörper eine gewisse Leichtigkeit zu geben, zum anderen schafft es eine optimale Belüftung und Belichtung der Parkebenen. Ein weiterer Vorteil dieses Materials ist die Möglichkeit einer Bedruckung. Hier könnten beispielsweise Grafiken, die das Parkhaus thematisch an die kommende Landesgartenschau anpasst, abgebildet werden.
Analog zu den Dimensionen der Umgebung transformiert sich das Pflanzenhaus aus der Maßstäblichkeit der umgebenden Bebauung heraus und entwickelt sich radial in Richtung des Bodensees zu seiner vollen Größe. Durch die radiale Aufreihung der Tragrippen werden die solaren Erträge maximiert. Der Baumbestand definiert die maximale Ausdehnung des Pflanzenhauses und erzielt somit ein partielles Hervortreten der ansonsten großen Südfassade. Die formal expressive Tragstruktur erzeugt einen hohen Wiedererkennungswert, der über die Landesgartenschau hinausgeht.
Vorrangiges Ziel des Außenbereiches ist es Aufenthaltsqualitäten für die Besucher der Landesgartenschau sowie die Bürger Überlingens zu schaffen. Hierzu werden die radialen Tragrippen im südlichen Teil als Teil der Außenanlagen verlängert und dienen als Sitzgelegenheit mit Blick auf die Kakteensammlung oder den Bodensee. Die Erschließung erfolgt über die nordwestliche Anbindung an den Fußgängerweg. Der Eingangsbereich stellt sich als introvertierter Rücksprung dar und eröffnet dem Besucher nach Betreten des Gebäudes einen grandiosen Blick durch das Pflanzenhaus auf den Bodensee. Ebenso ist der Zugang über die gesamte südliche Fassade möglich, indem die Tragstruktur von den Besuchern umspült wird. Die Andien ung des Ausstellungsbereiches kann seeseitig zwischen allen Tragrippen erfolgen.
Als Tragkonstruktion werden Kerto Bloc Furnierschichtholzträger eingesetzt. Die zwei Meter hohen Tragprofile reihen sich radial auf und folgen mit Ihrer Ausformulierung der amorphen Höhenentwicklung. Die Glasfelder zwischen den Tragprofilen können so als planare Scheiben konstruiert werden. Diese treten durch die expressiven Tragprofile in den Hintergrund und bilden in Summe eine diffusere Gebäudekante. Die außenliegenden Bereiche der Tragprofile sind mit einer PU-Beschichtung überzogen und schützen so den Holzwerkstoff vor Witterungseinflüssen ohne die Filigranität zu verlieren.
Die Entwicklung des Gebäudes orientiert sich stark an der solaren Einstrahlung um auch in den kälteren Jahreszeiten weitestgehend ohne externe Energie auszukommen. Für extreme Temperaturspitzen wird auf das lokale Fernwärmenetz zurückgegriffen. Um einer Überhitzung vorzubeugen sind Teilbereiche außenseitig mit Sonnensegel versehen. Diese sind zwischen den Tragrippen angebracht und Rollen sich bei Nichtgebrauch? seitlich zusammen. Im Schatten der Tragrippen ist der außenliegende Sonnenschutz zudem vor starken Winden geschützt. Die Höhenstaffelung gen Süden macht es überflüssig einen großen Teil der Dachfläche zu verschatten. Dadurch wird auch bei extremen Sommern eine ausreichende diffuse UV Strahlung erzielt.
Der Luftwechsel erfolgt in den warmen Jahreszeiten über Lüftungsklappen, die umlaufend in Bodennähe positioniert sind. Die flankierenden Wände erhalten zudem weitere großformatige Lüftungsöffnungen. Die hohen Bereiche des Pflanzenhauses bieten für die Abluft genügend Öffnungsflügel in ca neun Meter Höhe. Für die Wintermonate wird das Pflanzenhaus mit einer zentralen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung belüftet.
Trotz der expressiven Formensprache basieren die Bauteile des Tragwerks auf identischen Parametern. Dies ermöglicht eine serielle Bauteilfertigung, obwohl sich die Dimensionen von Bauteil zu Bauteil ändern. Das Aufgliedern der Geometrie in lineare und planare Bauteile optimiert zudem die Herstellungskosten. Der stützenlose Raum kann für spätere Ausstellungsszenarien flexibel arrangiert werden. In Kombination mit den energetischen Entwurfsansätzen ergeben sich hieraus günstige Unterhaltskosten.