Radwegkirche

Milseburg

Jahr:2017

Tragwerkplanung: Werner Sobek - Frankfurt

Landschaftsarchitektur: Studio RW - Berlin

Ziel unseres Konzeptes ist eine sakrale Silhouette, welche eine hohe Fernwirkung erzielt. Als klare Kiste, welche sich zum Himmel streckt, positioniert sie sich an der Grundstücksecke und stellt sich in das Blickfeld von Seiten des Radwegs. Die amorphe Dachlandschaft wird durch quadratische Boxen pixelartig abgebildet. Das quadratische Raster bildet das Grundgerüst für das gesamte Gebäude. Der Innenraum basiert ebenfalls auf einer quadratischen Grundfläche. Der Außenbezug wird einzig über die verglaste Dachfläche hergestellt. Somit ist der Innenraum im Gesamten von oben belichtet und keine anderen irdischen Einflüsse stören den kontemplativen Charakter des Raumes. Er steht so im Kontrast zu den Momenten auf dem Radweg, welche durch ihren landschaftlichen Weitblick geprägt sind. Es entsteht ein neuer Ort der Ruhe. Die Dachlandschaft zeichnet sich im Inneren des Raumes ab und bildet eine spannende neuartige Belichtungssituation für den Besucher. Um den räumlichen Kontrast zwischen Außenraum und Innenraum zu verstärken muss der Besucher erst eine Art Filter betreten. Dieser Filter verhindert, dass man sich „gleichzeitig“ im Innen- und Außenraum befindet. Diesen Filter betritt der Besucher durch eine große Drehtür. Danach erst kann man durch einen großen und schweren Vorhang den eigentlichen Kirchenraum betreten. Die Materialität des Kirchengebäudes stellt sich in Holz und Beton dar. Hierbei kontrastiert die warme Holzoberfläche der Wand- und Dachkonstruktion mit dem harten Betonboden aus welchem sich die Sitzbänke als monolithische Blöcke entwickeln. Die Kirchenrückwand spielt zusätzlich mit der Belichtung von oben. Durch gezielte Vorsprünge entsteht ein diffuses Schattenbild eines Kreuzes. Für die Open Air Nutzung, bspw. an Christi Himmelfahrt, wird auf der Außenseite der Rückwand analog zum Innenraum ein Altar positioniert. Diese Trennung der gegensätzlichen Funktionen schärft die Qualitäten des Innenraums in Ihrer introvertierten Haltung. Die Außenanlagen wirken in Ihrer Gänze wie eine Grüne Wiese mit einem diffusen Übergang zum angrenzenden Feld. Dabei wird der Eingangsbereich zu den angrenzenden Feldwegen als Schotterrasen ausgebildet. Diese Oberfläche ermöglicht eine entsprechende Nutzung als Stellplatz und vermeidet, dass sich Pfade zum Eingang abzeichnen. Zwei Baumgruppen aus Obstbäumen bieten im Sommer schattige Plätze für eine Rast. Das Mobiliar im Außenbereich basiert ebenfalls auf den quadratischen Boxen. Zum einen aus Betonwürfel welche sich als Sitzgruppe im Bereich der Obstbäume befinden. Zum anderen aus Holzkästen, die analog zum Gebäude ausformuliert sind, als Fahrradständer & E-Bike Ladestation. Verschiedenartige Schlitze in den Kästen ermöglichen das Anstellen jeglicher Fahrräder. Ob Fat-Bike oder Rennrad, jede Reifenbreite findet ihren Schlitz. Oberseitig sind die Boxen mit Solarpanelen versehen um einen Teil der Energie für die E-Bikes zu generieren. Ergänzend bieten die Boxen im Außenbereich Flächen für Informationen zur Region und zum Förderverein Radwegkirche Milseburg e.V. Ebenso reiht sich der Trinkbrunnen in diesen Kanon ein und positioniert sich am Wegesrand.
Das Tragwerk-Konzept sieht für das Dach einen zweiachsig abtragenden Trägerrost aus Furnierschichtholz (FSH) Kastenelementen vor, welche statisch wirksam miteinander verbunden sind. Hierbei werden einzelne FSH Platten im Raster von 1,2m durch Keilzinken zu quadratischen Rahmenelementen mit unterschiedlicher Länge in Längsrichtung verleimt. Oberseitig sind alle Kästen über die Diagonale in einem Winkel von 15° angeschnitten und mit einer Verbundglasscheibe (VSG) verklebt. Dies gewährleistet eine gute Selbstreinigung und ein sicheres Ablaufen des Regenwassers in die verdeckt liegende Ortgangrinne. Durch baustellenseitiges Verschrauben der einzelnen Holz-Boxen wir ein tragender Rost geschaffen, der 2-achsig die vertikalen Lasten auf die äußeren Kirchenwände abträgt. Die Außenwände sind ebenfalls aus vorgefertigten Kastenelementen vorgesehen.
Horizontale Lasten, wie Wind, werden durch seitlich auf den Außenwänden angeordnete Deckplatten scheibenartig ausgebildet und über die Gründung sicher in den Baugrund abgetragen. Dabei weist die aufgehende Wand der tragenden Bodenplatte in Bereichen des anstehenden Geländes eine stützende Funktion auf. Durch den hohen Vorfertigungsgrad der Dach und Wand-Elemente mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz wird der Materialeinsatz optimiert, der Abfall weitgehend reduziert und die Bauzeiten minimiert .